RĂ¼diger Knobel | info@simplexmobility.de

Netz der leichten Fernschnellzüge (F-Züge); Teil 4

 

Exkurs: Die Leichtschnellzüge (LS)

 

 

Der Titel des 4. Teil läßt es bereits erahnen, bevor wir uns ins Fahrplanjahr 1967/68 stürzen und die weitere Entwicklung des Netz der leichten Fernschnellzüge betrachten gibt es einleitend wieder einen Blick auf weitere Fernzugverbindungen.

 

Diesmal geht es um die parallel zum Fernschnellzugnetz eingerichteten Leichtschnellzüge (LS-Züge).

 

Die LS-Züge wurden mittels einem eigens für sie geschaffenen Piktogramm im Kursbuch wie folgt erklärt:
Zug mit modernen Leichtbauwagen und kurzen Reisezeiten

Die LS-Züge führten im Gegensatz zu den Zügen des "blauen F-Zug-Netzes" die 2. und die 3. Wagenklasse.

Mit Beginn des Sommerfahrplan zum 17. Mai 1953 standen genügend neue Leichtbauwagen (rund 200 des Eilzugtyps) für den Aufbau eines LS-Zug-Netzes in seiner ersten Stufe bereit.

Eingeführt wurden zunächst 80 Verbindungen, von denen aber nur gut die Hälfte als D-Züge eingerichtet wurden. Alle übrigen Verbindungen verkehrten als Eilzüge.

Zum Sommerfahrplan 1954 wurde ein Teil dieser Verbindungen wieder aufgegeben.

Inzwischen wurden auch die neuen Schnellzugwagen der Leichtbauart (Büm, BCüm…) ausgeliefert und die Deutsche Bundesbahn legte fest, dass nur noch Züge die mit diesen Wagen ausgestattet waren als LS-Züge verkehren sollten.

In den folgenden Jahren wurden immer wieder Verbindungen in das LS-Zug-Netz hinein bzw. heraus genommen.

Ab 1955 verließen schließlich all die Verbindungen das LS-Netz, die ausschließlich aus Leichtbauwagen des Eilzugtyps gebildet wurden.

Bis 1957 hatte sich ein Kern an Zügen heraus kristallisiert, der ab dem Sommerfahrplan insgesamt 76 Verbindungen umfasste.

In dieser Form blieb das LS-Netz bis zum Beginn des Jahresfahrplans 1960/61 bestehen und „beherbergte“ so prominente Vertreter in seinen Reihen wie:
D 227 "Montan-Express" Luxembourg - Koblenz

D 228 "Montan-Express" Koblenz - Luxembourg
D 303 "Donau-Kurier" Wien - Dortmund

D 304 "Donau-Kurier" Dortmund - Wien
D 527 "Wörthersee-Express" Klagenfurt - Frankfurt/M

D 528 "Wörthersee-Express" Frankfurt/M - Klagenfurt

Mit Beginn des Sommerfahrplan 1960 (am 29.05.60) entfiel die Gattung der Züge mit dem LS-Piktogramm. Grund dafür war die angelaufene Serienlieferung der Leichtbau-Wagen, was zur Ausrüstung aller wichtigen D-Züge mit diesen Wagen führte und somit eine Unterscheidung zwischen LS-Zügen und D-Zügen überflüssig machte.

 

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Nun zurück zum Netz der leichten Fernschnellzüge, die mit dem Eintritt in das Fahrplanjahr 1967/68 (praktisch wie alle anderen Zuggattungen der Deutschen Bundesbahn) vor ereignisreichen Jahren standen.

Bei der jeweiligen Listung der F-Züge in den kommenden Fahrplanperioden werde ich auch zur in der Folge besseren Nachvollziehbarkeit der einzelnen Veränderungen neben der Zugnummer und dem Zuglauf zusätzlich wieder den Zugnamen mit aufführen.

Zunächst möchte ich aber darstellen, was sich eigentlich über mehrere Fahrplanperioden hinweg für Veränderungen im Reisezugverkehr abzeichnen sollten.

Bei der Deutschen Bundesbahn begann man im Jahr 1967 mit den Arbeiten für ein neues Allgemeines Reisezugkonzept. Bei den hochwertigen Fernschnellzügen sollte dies letztlich in den IC-Zwei-Stunden-Takt des Winterfahrplans 1971/72 münden.

Zum neuen Allgemeinen Reisezugkonzept gehörte unter anderem die Einführung einer systematischen Nummerierung (ich werde im 5. Teil noch genauer darauf eingehen). Diese Planung verfolgte übrigens zeitgleich auch die UIC, um eine eindeutige Nummernsystematik für internationale Zugläufe zu erhalten.

Die Planungen seitens der Deutschen Bundesbahn wurden aber aus einem anderen Grund heraus getrieben. Man arbeitete an der Einführung der elektronischen Platzbuchung. Um diese realisieren zu können war es erforderlich das Zugnummern-System grundlegend zu überarbeiten und neu zu gestalten.

Für das "blaue F-Zug-Netz" im Jahresfahrplan 1967/68 bedeutete dies zunächst folgende grundsätzliche Änderungen:

  1. Im leichten F-Zug-Netz waren in diesem Fahrplanjahr nur lokbespannte Züge unterwegs.
  2. Alle F- und TEE-Züge wurden über Wiesbaden Hbf anstelle Wiesbaden Süd geführt und wechselten ins Mainz-Mombach auf die linke Rheinseite. Ziel war eine Entflechtung des Zuggattungs-Mix auf der rechten Rheinseite und somit eine Verbesserung der Fahrplantrassen.

Die einzelnen Verbindungen des "blauen F-Zug-Netzes" hatten ab dem Sommer 1967 nun folgendes Aussehen:

 
F 7 "Rheinblitz" Zürich - Dortmund
F 8 "Rheinblitz" Dortmund - Zürich
F 13 "Dompfeil" Köln - Hannover
F 14 "Dompfeil" Hannover - Bonn
F 15 "Sachsenroß" Köln - Hannover
F 16 "Sachsenroß" Hannover - Köln
F 17 "Germania" Bonn - Hannover
F 18 "Germania" Hannover - Bonn
F 23 "Schwabenpfeil" Stuttgart - Dortmund
F 24 "Schwabenpfeil" Dortmund - Stuttgart
F 27 "Rheinblitz" München - Dortmund
F 28 "Rheinblitz" Dortmund - München
F 29 "Hanseat" Köln - Kiel (vormals F 1)
F 30 "Hanseat" Kiel - Köln (vormals F 2)
F 31 "Merkur" Frankfurt/M - Hamburg (vormals F 3)
F 32 "Merkur" Hamburg - Frankfurt/M (vormals F 4)
F 33 "Gambrinus" München - Hamburg
F 34 "Gambrinus" Hamburg - München
F 37 "Hans Sachs" München - Hagen
F 38 "Hans Sachs" Hagen - München
F 45 "Roland" Basel - Bremen (ab Hannover D-Zug mit Kurswagen des D 383 aus München)
F 46 "Roland" Bremen - Basel
F 321 Duisburg - Dortmund (ohne Namen, Entlastungszug zu TEE 21)


Zeit um sich an neue Zugnummern und -namen zu gewöhnen hatten aber weder die Kunden noch die Eisenbahner selbst.

In den zurück liegenden Jahren bildeten Nummern- und Namenswechsel eher die Ausnahme im F-Zug-Netz. Für die Jahre ab 1967 wurde dagegen die Kontinuität in diesem Bereich zur Ausnahme.

 

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Der Sommerfahrplan 1968 startet zunächst so wie der Jahresfahrplan 1967/68 aufgehört hatte:

 
F 7 "Rheinblitz" Zürich - Dortmund
F 8 "Rheinblitz" Dortmund - Zürich
F 13 "Dompfeil" Köln - Hannover
F 14 "Dompfeil" Hannover - Bonn
F 15 "Sachsenroß" Köln - Hannover
F 16 "Sachsenroß" Hannover - Köln
F 17 "Germania" Bonn - Hannover
F 18 "Germania" Hannover - Bonn
F 23 "Schwabenpfeil" Stuttgart - Dortmund
F 24 "Schwabenpfeil" Dortmund - Stuttgart
F 27 "Rheinblitz" München - Dortmund
F 28 "Rheinblitz" Dortmund - München
F 29 "Hanseat" Köln - Kiel
F 30 "Hanseat" Kiel - Köln
F 31 "Merkur" Frankfurt/M - Hamburg
F 32 "Merkur" Hamburg - Frankfurt/M
F 33 "Gambrinus" München - Hamburg
F 34 "Gambrinus" Hamburg - München
F 37 "Hans Sachs" München - Hagen
F 38 "Hans Sachs" Hagen - München
F 45 "Roland" Basel - Bremen
F 46 "Roland" Bremen - Basel
F 321 Duisburg - Dortmund


Mit dem beginnenden Winterfahrplan 1968/69 am 29.9.68 führte die Deutsche Bundesbahn allerdings eine ganze Reihe neuer F-Zug-Verbindungen, zusätzlich zu den bestehenden ein (mit einer Ausnahme: der „Merkur“ wurde in diesem Zusammenhang in einen Schnellzug umgewandelt).

Bei diesen Zügen handelte es sich um besonders schnelle Verbindungen mit wenigen Zwischenhalten, besonders geeignet für Geschäftsreisende. Bezeichnet wurden sie als Intercity mit den Unterscheidungsbuchstaben A bis F (ein erster Hinweis auf die Einführung einer neuen Zuggattung drei Jahre später).

Hier sind sie nun nachfolgend aufgeführt:

 
Intercity A     F 31 "Senator" Köln - Hamburg
Intercity A     F 32 "Senator" Hamburg - Köln

 
Intercity B     F 130 "Toller Bomberg" Hamburg - Köln
Intercity B     F 131 "Toller Bomberg" Köln - Hamburg

 
Intercity C     F 13 "Porta Westfalica" Köln - Hannover (vormals "Dompfeil")
Intercity C     F 14 "Porta Westfalica" Hannover - Köln (vormals "Dompfeil")

 
Intercity D     F 146 "Wilhelm Busch" Hannover  Köln
Intercity D     F 147 "Wilhelm Busch" Köln - Hannover

 
Intercity E     F 117 "Prinzregent" München - Frankfurt/M
Intercity E     F 120 "Prinzregent" Frankfurt/M - München

 
Intercity F     F 171 "Mercator" Frankfurt/M - Hannover
Intercity F     F 172 "Mercator" Hannover - Frankfurt/M

 

 

 Im Jahr 1968 erschien in den Fahrplanunterlagen der Deutschen Bundesbahn erstmals die Bezeichnung "Intercity"; hier ist der F 31 Köln - Hamburg als Intercity "A" abgebildet

 

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Hatten die Kunden bis dato wenigstens noch 1½ Jahre Zeit sich an neue Zugnummern und Namen zu gewöhnen hieß es mit Beginn des Sommerfahrplans 1969/70 erneut recht genau in die Kursbücher zu schauen, um Veränderungen nachvollziehen zu können.

Mit dem neuen Fahrplanjahr entfiel der Zusatz Intercity, sowie die Unterscheidungsbuchstaben bei den gerade erst vor einigen Monaten neue eingeführten F-Zug-Verbindungen auch schon wieder.

Stattdessen wurde der Nummern- und Namenssalat, neuerlich um eine
Episode bereichert.

Nebenbei gab es dann auch noch ganz „banale“ Ereignisse (wie in der Zeit vor 1967), in deren Rahmen Zugläufe bestehender F-Züge angepasst wurden und wieder andere F-Züge in andere Zugsysteme wechselten. Zum Beginn dieses Fahrplanjahres wurde der F 45/46 "Roland" zum TEE-Zug „befördert“ und entfällt an dieser Stelle in der weiteren Betrachtung.

Das Netz der leichten Fernschnellzüge sah nun wie folgt aus:

 
F 7 "Rheinblitz" Zürich - Dortmund
F 8 "Rheinblitz" Dortmund - Zürich
F 15 "Dompfeil" Frankfurt/M - Hannover (vormals "Sachsenroß")
F 16 "Dompfeil" Hannover - Frankfurt/M (vormals "Sachsenroß")
F 17 "Germania" Bonn - Hannover
F 18 "Germania" Hannover - Bonn
F 23 "Schwabenpfeil" Stuttgart - Dortmund
F 24 "Schwabenpfeil" Dortmund - Stuttgart
F 27 "Rheinblitz" München - Dortmund
F 28 "Rheinblitz" Dortmund - München
F 29 "Hanseat" Köln - Hamburg
F 30 "Hanseat" Hamburg - Köln
F 31 "Patrizier" Köln - Hamburg (vormals "Senator")
F 32 "Patrizier" Hamburg - Köln (vormals "Senator")
F 33 "Gambrinus" München - Hamburg
F 34 "Gambrinus" Hamburg - München
F 37 "Hans Sachs" München - Hagen
F 38 "Hans Sachs" Hagen - München
F 117 "Prinzregent" München - Frankfurt/M
F 120 "Prinzregent" Frankfurt/M - München
F 130 "Toller Bomberg" Hamburg - Köln (nur Sommerabschnitt)
F 130 "Merkur” Hamburg - Frankfurt/M (nur Winterabschnitt)
F 131 "Toller Bomberg” Köln - Hamburg (nur Sommerabschnitt)
F 131 "Merkur” Frankfurt/M - Hamburg (nur Winterabschnitt)
F 140 "Sachsenroß" Hannover - Köln (vormals F 13 "Porta Westfalica")
F 141 "Sachsenroß" Frankfurt/M - Hannover (vormals F 14 "Porta Westfalica")
F 146 "Wilhelm Busch" Hannover - Köln
F 147 "Wilhelm Busch" Köln - Hannover
F 171 "Mercator" Stuttgart - Bremen
F 172 "Mercator" Bremen - Stuttgart (vormals F 170)
F 221 Duisburg - Dortmund (vormals F 321)
F 1298 "Karwendel" Frankfurt/M - Seefeld in Tirol
F 1299 "Karwendel" Seefeld in Tirol - Frankfurt/M


Bei den beiden letztgenannten Zügen handelt es sich um zwei ganz besondere „Schmankerl“. Diese verkehrten immer samstags während der Wintersportsaison und verbanden des Rhein-Main-Gebiet mit den Urlaubsregionen in Oberbayern und Tirol entlang der Ferienorte Garmisch-Partenkirchen und Seefeld in Tirol.

Die "Karwendel"-Züge sollten die kommenden Jahre und auch die Einführung von „IC 71“ überdauern und später unter anderem mit den Zugnummern IC 1112/1113 bzw. IC 1150/1151 in dieser Relation verkehren. Gefahren wurde dieses Zugpaar übrigens mit den eleganten TEE-Triebzügen der Baureihe 601 (VT 11.5).

Beim F 130/131 war ich mir zunächst nicht sicher ob der Namens- und Laufwegwechsel zum Winterfahrplan wirklich korrekt war.

Der IZB vom Dezember 1969 weist den Zug als "Merkur" aus. Das F-Zug-Netz für die Brieftasche vom Sommer 1969 weist ihn als "Toller Bomberg" aus.

Mit dem Fahrplanjahr 1969/70 endet Teil 4 auch schon wieder.

Eine weitere Betrachtung der Entwicklungen im "blauen F-Zug-Netz" ist nicht möglich ohne zuvor noch einmal auf die Maßnahmen der Deutschen Bundesbahn die im Rahmen der Entwicklung des neuen Allgemeinen Reisezugkonzept ergriffen wurden einzugehen.

Diese Darstellung für sich genommen ist allerdings so umfangreich, dass sie den Schwerpunkt des 5. Teils zum Netz der leichten Fernschnellzüge bilden wird.

 

 

 

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